„Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln!" — André Kostolany
Es ging schneller als gedacht. Noch vor Kurzem war die Welt der großen Sprachmodelle einfach: ein Abo, ein Preis, unbegrenzte Nutzung. Für Unternehmen, Entwickler und Startups bedeutete das vor allem Planbarkeit. 2025 hat es sich angebahnt, 2026 hat sich alles geändert.
Der Systemwechsel kam schleichend: weg vom Abo, hin zur tokenbasierten Abrechnung. Die Abos reichen noch für einfache Arbeiten — aber dort bezahlen wir eben auch mit unseren Daten.
Wer mehr nutzt, zahlt mehr — klingt fair
Das Argument ist bestechend, und genau deshalb funktioniert es. Nur verschiebt sich dabei das Risiko vom Anbieter auf den Nutzer. Heute wissen wir nicht mehr, was ein Projekt kosten wird: volatile Infrastrukturkosten, ständig neue hyperpotente Supermodelle, die alles können — gefühlt aber vor allem wesentlich mehr kosten. Das ist keine Optimierung, das ist eine geplante Preisverlagerung.
Tokenmodelle entfalten ihre Wirkung erst im Betrieb:
- Anwendungen wachsen, die Kosten gleich mit. Prompts werden länger, der Kontext größer.
- Reasoning-Overhead. Modelle „denken länger", korrigieren sich, denken weiter — und verbrauchen dabei enorme Mengen an Token.
- RAG, Multi-Agenten- und Memory-Systeme multiplizieren den Verbrauch im Hintergrund, intransparent für den Nutzer.
Was früher das Abo abdeckte, wird zur offenen Kostenstelle. Beschwerden über explodierende Rechnungen und über Nachfolgemodelle, die sich dümmer anfühlen als ihre Vorgänger, häufen sich — ohne dass die Leistung proportional besser wird.
Warum das Geschäftsmodelle trifft
Kalkulationen basieren auf stabilen API-Kosten und vorhersehbaren Margen. Fällt diese Grundlage weg, kippen im schlimmsten Fall die Margen, werden Preise unhaltbar und müssen Produkte umgebaut werden. Ich kenne Entwickler, die Mitte des Monats nicht mehr arbeiten können, weil das Kontingent aufgebraucht ist. Erinnert mich an die aktuelle Sozialpolitik.
Warum jetzt und so schnell?
Flatrate, Krieg und steigende Nutzung haben die Kosten in die Höhe getrieben. Ein erheblicher Teil der geplanten Rechenzentren in den USA ist verschoben oder liegt auf Eis. Und die Investoren wollen endlich Rendite sehen.
Was nun?
Der eine Weg: Man akzeptiert die Preise, reduziert sich auf ein Modell, legt das Budget auf die Kunden um — und private Projekte auf Eis.
Der andere Weg, der den ersten nicht ausschließt — und der Teil einer größeren Bewegung ist, siehe digitale Souveränität: eigene Rechner anschaffen, sich mit Entwicklern und Nutzern zusammenschließen, Genossenschaften bilden, kleinere Modelle trainieren. Und wenn die Antworten dann länger dauern: einfach zurücklehnen, sich mit Kolleginnen und Kollegen unterhalten und alles mal sacken lassen.
Frei nach Kostolany: Lass uns die Schaufeln selber herstellen. Noch haben wir die Wahl.
