Ich habe den aktuellen Beitrag zur Klage gegen Social-Media-Plattformen in den USA gelesen: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/suchtpotenzial-social-media-prozess-100.html . Das hat mich zum Nachdenken über mein eigenes Medienverhalten gebracht:
Ich schaue regelmäßig Nachrichten und Videos an, hauptsächlich Late Night Dokus aus den USA, YouTube-Channels, Podcasts etc. und lese Artikel bei Spiegel, Tagesspiegel, NYT und Washington Post. Bei einigen dieser Anbieter hatte ich auch bezahlte Abos.
Irgendwann fiel mir auf, dass ich bei der Flut an Nachrichten nur noch die Überschriften las – die sich zudem ständig wiederholten und oft mehr Meinung als Inhalt transportierten. Gleichzeitig hatte ich mir bei YouTube ein umfangreiches Kanal-Abo aufgebaut, da das App-Hopping zu ARTE, ZDF, Spotify etc. zu aufwändig war. Die Inhalte waren bei YouTube einfach besser sortiert und kurartiert.
Allerdings hat mich die Werbung sehr gestört: Bitcoin-Scam, Influencer:innen, Temu-Honeypots zum Fremdschämen in Form von gruseligem KI-Slop. Auch die Unterbrechungen nahmen immer mehr zu und die Werbepausen wurden immer länger. Es gibt Werbung, die funktioniert und es gibt Schrott, der einfach nur völlig daneben ist und aggressiv macht. Bei YouTube kam am Ende nur noch das Schlimmste.
Ich fragte mich irgendwann: Warum zahle ich eigentlich GEZ-Gebühren von über 220 Euro im Jahr, um die Inhalte dann bei YouTube mit Werbung, die man nicht mal mehr also solche bezeichnen kann, anzuschauen? Und während ich das mache, lege ich nebenbei noch meine Vorlieben und Interessen für Google offen? So gesehen zahle ich dreifach für den Content dort.
Außerdem ist mir etwas aufgefallen: Die Vorschläge des Algorithmus wurden mit der Zeit inhaltlich immer irrelevanter. Trotzdem haben sie mich durch reißerische Titel oder KI-Bilder immer wieder zum Öffnen verführt. Nach ein paar Sekunden merkte ich aber: Dieser Clickbait hat wieder irgendwem Einnahmen gebracht und mich wieder ein paar Minuten meiner Lebenszeit gekostet. Auch Gewalt, Verschwörungstheorien, fragwürdige Investment-Tipps etc. wurden immer präsenter in die Vorschläge gespült, nur um mich bei der Stange zu halten.
Also haben wir im Team ein Experiment gemacht: Was passiert, wenn ich mir einen eigenen News-Aggregator entwickle, der mir ganz einfach nur die Inhalte zeigt, die mich interessieren? Ohne Werbung, ohne Engagement-Zwang, also frei von algorithmischer Steuerung?
Ich dachte an einen KI-Agenten, der aus meinen Interessen lernt und mir konstruktive Vorschläge macht. Ein neutraler Service, der meine Vorlieben regelmäßig prüft und über alle verfügbaren Kanäle und offenen Schnittstellen hinweg in allen für mich relevanten Sprachen nach Inhalten sucht.
So ist das EUCube entstanden. Dieses Experiment möchte ich mit euch teilen.
Interessanterweise sind die vorgeschlagenen Inhalte manchmal etwas “langweiliger” als bei YouTube & Co., aber letztendlich für mich deutlich relevanter. Ich habe das Gefühl, dass die Vorschläge des KI-Agenten ausgewogener und neutraler sind und ich deswegen nicht mehr den Drang habe, direkt zu klicken. Stattdessen speichere ich jetzt manches für später. Positiv ist auch, dass der Assistent weder meinen Namen, noch Alter, Standort oder sonstige persönliche Daten kennt, sondern nur meine aktuelle Playlist. Ich kann bewerten und störende Inhalte melden oder abwerten. Außerdem habe ich eine kleine Textvorschau zu jedem Video, anhand deren ich prüfen kann, ob der Inhalt überhaupt für mich interessant ist. So erspare ich es mir, in endlose Autoplay-Schleifen reingezogen zu werden.
Wer Interesse hat an diesem Experiment kann sich gerne unter EUCube anmelden.
Hinweise:
- Das ist (aktuell) kein öffentliches Angebot sondern ein privates experimentelles Projekt in der Beta Phase, das im Team stetig weiterentwickelt wird. D.h. wir schalten alle Anfragen persönlich frei und übernehmen keine Verantwortung für die Inhalte oder Bugs.
- Es gibt eine PWA Funktion, d.h. Ihr könnte es als Web Applikation mit einem Icon auf euer Endgerät installieren und ohne Browser bedienen.
- Für den KI Algorythmus werden keinen persönlichen Daten übermittelt und nur in eurem Profil gespeichert. Auf das Profil hat keiner Zugriff ausser Ihr selbst. Trotzdem müsst Ihr für die Funktion zustimmen, dass die Suchanfrage verarbeitet werden kann.